Viola Amherd gehört zu den prägenden Figuren der Schweizer Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre. Ihre politische Laufbahn führte von der kommunalen und kantonalen Ebene im Wallis über den Nationalrat in den Bundesrat. Dort stand sie von 2019 bis Ende März 2025 dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vor. Im Jahr 2024 amtierte sie als Bundespräsidentin.
Politische Prägung im Wallis
Amherd wurde am 7. Juni 1962 in Brig-Glis im Kanton Wallis geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften und arbeitete als Rechtsanwältin und Notarin. Ihre politische Tätigkeit begann auf kommunaler Ebene in Brig-Glis. Später vertrat sie das Wallis im Nationalrat, dem sie von 2005 bis 2018 angehörte.
In der Bundespolitik war Amherd zunächst Mitglied der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP), die 2021 in Die Mitte überging. Ihre Herkunft aus dem zweisprachigen Kanton Wallis prägte ihre politische Einordnung: Sie bewegte sich zwischen regionaler Verankerung, föderaler Verantwortung und einem ausgeprägten Interesse an Fragen des staatlichen Zusammenhalts.
Der Weg in den Bundesrat
Die Vereinigte Bundesversammlung wählte Viola Amherd am 5. Dezember 2018 in den Bundesrat. Sie trat ihr Amt am 1. Januar 2019 an und übernahm das VBS. Damit war sie für die Armee, den Bevölkerungsschutz, den Sport sowie weitere sicherheits- und verteidigungspolitische Dossiers zuständig.
Als Vorsteherin des VBS stand Amherd vor der Aufgabe, die sicherheitspolitische Debatte in einer Zeit zunehmender internationaler Spannungen zu führen. Der russische Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 verstärkte in der Schweiz die Diskussion über die Verteidigungsfähigkeit, die Ausrüstung der Armee, den Bevölkerungsschutz und die Bedeutung der Neutralität.
Sicherheitspolitik zwischen Neutralität und Kooperation
Amherds sicherheitspolitische Arbeit war von dem Versuch geprägt, die schweizerische Neutralität mit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit zu verbinden. Die Schweiz blieb militärisch bündnisfrei. Gleichzeitig wurde unter ihrer Verantwortung die Zusammenarbeit mit europäischen Partnerstaaten in Sicherheitsfragen intensiver diskutiert.
Ein Beispiel dafür ist die Beteiligung der Schweiz an der European Sky Shield Initiative. Die Schweiz unterzeichnete 2023 eine Beitrittserklärung zu diesem europäischen Projekt zur Zusammenarbeit bei der bodengestützten Luftverteidigung. Die Teilnahme wurde politisch und rechtlich mit der dauernden Neutralität der Schweiz in Einklang gebracht. Sie bedeutet weder einen Beitritt zur NATO noch eine Aufgabe der schweizerischen Neutralität.
Die sicherheitspolitischen Auseinandersetzungen zeigten zugleich, dass in der Schweiz unterschiedliche Auffassungen über die künftige Rolle der Armee bestehen. Im Zentrum standen Fragen nach ausreichenden finanziellen und personellen Ressourcen, nach der Beschaffung moderner Systeme und nach der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten. Amherd vertrat dabei die Position, dass die Schweiz ihre Verteidigungsfähigkeit angesichts der veränderten Sicherheitslage überprüfen und stärken müsse.
Bevölkerungsschutz und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit
Zum Verantwortungsbereich des VBS gehörte nicht nur die militärische Sicherheit. Auch der Bevölkerungsschutz, der Schutz kritischer Infrastrukturen und die Vorbereitung auf Krisen sind Teil der umfassenden Sicherheitspolitik. In diesem Zusammenhang gewann die Frage an Bedeutung, wie Behörden, Einsatzorganisationen und Bevölkerung bei Naturereignissen, technischen Störungen, Pandemien oder anderen Krisen zusammenarbeiten.
Amherd stellte den gesellschaftlichen Zusammenhalt wiederholt in einen Zusammenhang mit der Krisenfestigkeit des Landes. Der Schutz der Bevölkerung hängt nicht allein von militärischen Mitteln ab, sondern auch von funktionierenden Institutionen, verlässlicher Information und dem Vertrauen zwischen den verschiedenen Ebenen des Bundesstaates. Diese Perspektive entspricht dem schweizerischen Verständnis von Sicherheit, das zivile und militärische Elemente miteinander verbindet.
Bundespräsidentin im Jahr 2024
Am 13. Dezember 2023 wählte die Bundesversammlung Viola Amherd zur Bundespräsidentin für das Jahr 2024. Das Präsidialjahr war von internationalen Konflikten, der europäischen Sicherheitslage und innenpolitischen Debatten über die Rolle der Schweiz geprägt. In dieser Funktion repräsentierte sie den Bundesrat und die Schweiz nach aussen, während die politischen Entscheide weiterhin im Gesamtbundesrat getroffen wurden.
Das Amt der Bundespräsidentin ist in der Schweiz zeitlich begrenzt und mit einer zusätzlichen Koordinations- und Repräsentationsfunktion verbunden. Es verleiht der Amtsinhaberin keine übergeordnete Richtlinienkompetenz gegenüber den anderen Mitgliedern des Bundesrates.
Rücktritt und politische Einordnung
Viola Amherd kündigte im Januar 2025 ihren Rücktritt aus dem Bundesrat an. Sie schied am 31. März 2025 aus der Landesregierung aus. Damit endete ihre Zeit als Vorsteherin des VBS und als Bundesrätin. Aussagen über ein aktuelles Bundesratsamt oder eine aktuelle Departementsleitung müssen daher zeitlich von ihrer früheren Amtsperiode unterschieden werden.
Ihre politische Bilanz lässt sich nicht auf einzelne sicherheitspolitische Projekte reduzieren. Amherd verband ihre Walliser Herkunft mit einer langen parlamentarischen Erfahrung und der Verantwortung für ein Departement, das nach 2022 besonders stark im Zentrum der öffentlichen Debatte stand. Ihre Amtszeit war durch die Auseinandersetzung mit der Frage gekennzeichnet, wie ein neutraler Kleinstaat seine Sicherheit organisiert und zugleich seine internationale Handlungsfähigkeit bewahrt.
Einordnung der öffentlich dokumentierten Positionen
- Amherd befürwortete eine glaubwürdige Verteidigungsfähigkeit der Schweiz und eine Anpassung an die veränderte europäische Sicherheitslage.
- Sie unterstützte eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit europäischen Partnern, ohne die schweizerische Neutralität formell aufzugeben.
- Sie ordnete militärische Sicherheit in einen umfassenderen Rahmen ein, zu dem auch Bevölkerungsschutz, Krisenvorsorge und der Schutz kritischer Infrastrukturen gehören.
- Sie betonte die Bedeutung staatlicher Institutionen und des gesellschaftlichen Zusammenhalts für die Widerstandsfähigkeit der Schweiz.
Diese Positionen sind im Kontext ihrer früheren Funktionen zu lesen. Viola Amherd war bis Ende März 2025 Bundesrätin und VBS-Vorsteherin. Die weitere Entwicklung der Schweizer Sicherheits- und Europapolitik ist von den nachfolgenden politischen Entscheidungen und den jeweiligen Amtsinhaberinnen oder Amtsinhabern abhängig.
Grundlage für die zeitliche Einordnung bilden öffentlich zugängliche Angaben der Bundesbehörden, parlamentarische Dokumente und offizielle Mitteilungen zu Amherds Amtszeit.



